Ein schlechter Tag

Heute ist ein richtig schlechter Tag. Bei der Arbeit lief einiges schief und mein Ohrgeräusch im rechten Ohr ist seit gestern auch erheblich lauter geworden. Ich befürchte bereits, dass ich einen weiteren Hörsturz haben könnte und nehme daher seit heute Morgen Cortison. Neben diesen „neu“ hinzugekommenen Beschwernissen habe ich noch immer Probleme mit Kopfschmerzen und extremer Antriebsarmut / Müdigkeit. Dies alles führt dazu – wobei die Frage nach Henne und Ei zustellen wäre, dass ich mich ziemlich sicher in einer depressiven Phase bzw. deren Anfang befinde.

Dies hat dazu geführt, dass ich mich gestern – nach einem Streit mit meinem Mann – auch wieder gerizt habe. Relativ lange kam ich ohne dieses Mittel aus und gestern ging es nicht mehr anders. Meine inneren Ressourcen fühlen sich aufgebraucht oder minderwertig an. Positive Gedanken sind kaum noch vorhanden. Sobald ich tief atme spüre ich eine Enge im Brustkorb und oft stöhne ich unbewusst.

In solchen Situationen ist es schwer für andere Menschen mit mir umzugehen. Sie entwickeln das Bedürfnis mich aufbauen zu wollen oder erklären mir, wie falsch meine Gedanken und Gefühle sind. Dies hilft allerdings nicht, sondern macht es eigentlich im schlimmsten Fall noch schlimmer. Im besten Fall bleibe ich gleichgültig.

Meine Gefühlsskala, die in guten Momenten neutral ist, ist nun ziemlich negativ. Ich bin leicht reizbar, sehr niedergeschlagen und es kommen vermehrt Gedanken auf, dass ich dies eigentlich alles nicht mehr durchmachen und aushalten möchte. Zeitgleich macht es mich so wütend und verzweifelt, dass psychische Erkrankungen noch immer entweder stigmatisiert sind oder nicht ernst genommen werden – zumindest in der großen Mehrheit der Fälle. Seit zwei Jahren geht nun schon das Verfahren vor dem Sozialgericht. Bis jetzt ist noch immer kein Prozesstermin in Sicht. Ein Vertreter des VDK hat mir in einem kurzen Informationsgespräch einmal mitgeteilt, dass man bei psychischen Erkrankungen mit 30% Scherbehindertengrad noch gut weggekommen wäre. Seine Aussage war in etwa die folgende: „50% entsprechen dem Fehlen einer Gliedmaße. Denken Sie, dass Sie genauso eingeschränkt sind, wie jemand, der einen Arm oder ein Bein verloren hat?!“ Woher soll ich das wissen, aber mit einem fehlenden Bein kann man eine Prothese oder Gehhilfe bekommen. Ich leide 24/7 unter den Erkrankungen und man kann nur begrenzt etwas tun. Da ich rezedivierende Depressionen habe, kommt die Verschlimmerung meist recht unvermittelt, auch wenn es kleine Anzeichen im Vorfeld gibt, aber diese ignoriere ich meist geflissentlich. Was soll ich auch machen?! Ich bin Alleinverdiener und habe ein kleines Kind. Irgendwie muss für meine Familie das Leben doch weitergehen. Ich kann nicht ständig ausfallen und ich will das auch nicht.

Oft beschleicht mich das Gefühl, dass viele Menschen denken, dass man sich psychische Erkrankungen aussucht oder einredet. Manchmal denke ich das auch schon selbst. Aber ich kann ehrlichen Herzens sagen: „Ich WILL diese Krankheiten nicht haben. Bitte lieber Gott nimm‘ mir diese Bürde ab.“ Leider hilft das nicht. Man sollte – theoretisch weiß ich das – die Situation… so annehmen wie sie ist. Nicht, dass man alles gut findet, aber zunächst einmal sagen: „So ist es.“ Sobald sich dieser Gedanke in ein inneres Gefühl verwandelt hat, kann man dann darüber nachdenken, ob sich etwas ändern lässt.

Daher möchte ich an diesen „negativen“ Post gerne ein zugehöriges Gebet / Gedicht anhängen.

So ist es! Keep on fighting!

Die bekannte deutsche Kurzfassung lautet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Die englische Komplettversion lautet:

God, grant me the serenity to accept the things I cannot change, Courage to change the things I can, And wisdom to know the difference. Living one day at a time, Enjoying one moment at a time, Accepting hardship as a pathway to peace, Taking, as Jesus did, This sinful world as it is, Not as I would have it, Trusting that You will make all things right, If I surrender to Your will, So that I may be reasonably happy in this life, And supremely happy with You forever in the next. Amen.

Die freie Übersetzung ins Deutsche der Komplettversion ist wie folgt:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Einen Tag nach dem anderen zu leben, einen Moment nach dem anderen zu genießen. Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren, sie anzunehmen, wie Jesus es tat: diese sündige Welt, wie sie ist, und nicht, wie ich sie gern hätte, zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst, wenn ich mich Deinem Willen bedingungslos ausliefere, sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge und im nächsten Leben für immer überglücklich. Amen.

Der Verfasser war voraussichtlich Reinhold Niebuhr.

Die Texte wurden der Seite www.wikipedia.de (Gelassenheitsgebet) entnommen (am 21.11.2019).

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