Der 6. Geburtstag

Ich muss es zugeben: Ich mag keine Kindergeburtstage. Als ich selbst noch ein Kind war, haben mich meine eigenen Feiern schon sehr angestrengt. Hätte ich nur meine wirklichen Freund*Innen eingeladen, dann wäre es ein sehr kleiner Kreis geworden, aber bis Ende der Grundschulzeit haben meine Eltern noch mitbestimmt, wer eingeladen wird. Häufiges Kriterium war hier, dass man einladen musste, wer einen auch eingeladen hatte. Der soziale Druck war enorm. Ich hatte immer das Gefühl beobachten zu müssen, ob ich von anderen eingeladen werde oder nicht. Wurde ich nicht eingeladen fragte ich mich, ob ich etwas falsch gemacht habe, ich nicht nett genug war… Außerdem gehe ich mit meinen Dingen – insbesondere, wenn es sich um neue Gegenstände handelt – sehr sorgsam um. Da ich im Frühjahr Geburtstag habe, war es nie möglich komplett draußen zu feiern. Dadurch musste auch in meinem Zimmer und mit meinen Geschenken gespielt werden und ich habe das gehasst. Ich erinnere mich nicht an vieles aus meiner Kindheit, aber ich weiß noch genau, dass ich einmal eine Hängematte bekam, die nach der Feier ein Loch hatte, da zu wild damit geschaukelt wurde.

Für mein eigenes Kind war mir klar, dass es vor dem 4. Geburtstag keine wirklichen Kindergeburtstage geben wird. Kinder haben bevor sie in den eigentlichen Kindergarten kommen, noch keine richtigen Freunde und Kinder in meinem näheren Umfeld gab es keine. Der 4. Geburtstag viel aus, da das Kind krank war und sich auch noch keine engen Freundschaften abzeichneten. Wir waren erst frisch umgezogen und da hätte es noch keinen Sinn gemacht direkt einen Kindergeburtstag zu veranstalten. Der erste Geburtstag wurde daher 2018 mit 5 Jahren gefeiert.

Der Ablauf des Tages war im Vorfeld geplant und wir waren mit 3 Erwachsenen (meine Mutter, mein Mann und ich) für 6 Kinder im Einsatz. Das Motto war „Dragons“, so dass wir den Tisch und den Raum in dem gegessen wurde, entsprechend dekoriert und die Gastgeschenke entsprechend ausgewählt hatten. Insgesamt gab es folgende Inhalte:

– Seifenblasen für alle Kinder, um damit im Garten spielen zu können

– Drachen-Pinatta gefüllt mit Konfetti, Süßigkeiten und Dragons-Tröten – Gemeinsames Kuchen essen und Trinken

– Schatzsuche (Schatz in Form einer Schatztruhe gefüllt mit Goldmünzen und kleinen Dragons-Büchern

– Kinderspielplatz mit Trinkpause

– Malen mit Straßenkreide vor dem Haus und Trampolinspringen

Insgesamt ging das Ganze ca. 3 Stunden. Man muss dazu sagen, dass es 3 Jungen und 3 Mädchen waren, die eingeladen waren und das sorgt generell für etwas mehr Unruhe. Außerdem war es 2018 an diesem Tag bereits extrem heiß. Den Kindern hat es (das erfuhren wir dieses Jahr) gut gefallen, aber wir waren mit der Gesamtperformance nicht so zufrieden. Bruno (unseren kleinen Hund) hatten wir glücklicherweise vorausschauend bei meinen Eltern untergebracht.

Kurze Rückerinnerung an die „Highlights“ der einzelnen Programmpunkte: – Ein Kind nahm die Seifenblasen in die Hand und öffnete diese so, dass die komplette Lauge einfach auf den Rasen gelaufen ist.

– Nach ca. 3 Personen, die auf den Drachen eingeschlagen hatten ließ das Interesse merklich nach und man musste alle wieder zurückholen.

– Der Marsch in Richtung Schatz führte zu ersten Tränen und müden Beinen, so dass der ein oder andere getragen werden musste.

– Auf dem Spielplatz gab es eine kleine Schürfwunde, welche ebenfalls zu einem Weinanfall führte.

– Wir Erwachsenen waren am Ende ebenfalls vollkommen erledigt.

Für 2019 – also dieses Jahr – musste daher eine andere Idee her. Viele der anderen Eltern haben sich für ein Spieleland bei uns in der Stadt bzw. bei einem Einkaufsmarkt entschieden. Ich fand das für unsere Feier nicht ganz so geeignet, da es Ende Mai oft schon ziemlich warm ist und es in der Halle keine Klimaanlage gibt, würde das zu extrem verschwitzten Kindern führen. Außerdem ist mir die Unfallgefahr in solchen Einrichtungen einfach zu groß und angeleitetes spielen quasi unmöglich. Als ich noch ein Kind war, hat man noch alle Geburtstagsgäste in ein Auto gepackt (ohne Kindersitze und ohne sich über Haftung etc. Gedanken zu machen). Heute geht das nicht mehr, so dass man sich im Vorfeld gut überlegen muss, was man wo machen möchte bzw. kann.

Aufgrund des Rates eines Kollegen, haben wir uns – trotz der recht hohen Kosten von ca. 165 EUR (bis 10 Kinder) – entschieden, Bastis-Bastelbus zu engagieren. Der diesjährige Geburtstag stand unter dem Motto „Piraten“. Dadurch haben wir uns als Bastelprojekt ein Segelschiff ausgesucht, welches schwimmen kann und für Kinder von 4 bis 6 Jahre geeignet ist. Als Deko gab es eine Piratenfahne und Piratenwimpel für die Terrasse. Der Tisch war mit roten Plastiktischdecken versehen und mit Piratengeschirr (Becher, Servietten, Teller) gedeckt. Als Gastgeschenke gab es in einer Schatztruhe aus Karton für jeden ein Klapp-Armband mit Piraten, eine Süßigkeit und Piratentattoos. Außerdem wurden die Muffins mit Piratenkerzen und die Torte mit einem kleinen „Feuerwerk“ dekoriert.

Der zeitliche Ablauf sah dieses Jahr wie folgt aus:

14:30 Uhr:

Ankunft der Kinder; Schatzsuche in Form von Topfschlagen (ein Kind versteckt, ein anderes sucht, die restlichen Kinder helfen durch Zurufe), Geschenke auspacken, Kuchen essen und Trinkpause, Einzelfotos der Kinder mit Piratenmotiven, Trampolin / Straßenkreide

15:30 Uhr: Bastis-Bastelbus

16:15 Uhr: 15 min Trink- und Essenspause (es gab kleine Brezeln)

16:25 Uhr: Bastis-Bastelbus

17:05 Uhr:

Wasserbomben durch den Garten werfen, nach und nach wurden bis 17:40 Uhr alle Kinder abgeholt

Insgesamt waren alle Erwachsenen sehr glücklich, als wir die Betreuung an den Bastelbusbetreuer abgeben konnten. Den Kindern – so war unser Eindruck – hat das Basteln im Bus Spaß gemacht. Es gab zwei Jungs, die allerdings den ganzen Tag über mit frechen Kommentaren und ungezügeltem Verhalten auffielen, aber das gehört wohl einfach auch dazu.

Für nächstes Jahr habe ich mir vorgenommen mehr darauf zu achten, wen mein Sohn einlädt und eventuell auch keine Kinder nachträglich noch einzuladen – aus dem Gefühl es müssen möglichst viele Gäste kommen.

Unser Kind hatte einen schönen Tag und war von seinem Geburtstag begeistert. Das ist für uns die Hauptsache. Wer sich an dem doch ordentlichen Preis nicht stört, für den kann ich sagen, dass ich den Bastelbus durchaus empfehlen kann. (Wobei ich anmerken muss, dass es dabei durchaus auch auf den Betreuer*In ankommt.)

Jetzt erholen wir uns erstmal wieder für ein Jahr. Gott sei Dank  😉

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