„IST DA JEMAND?!“

Seit es mir psychisch nicht gut geht, hat sich in meinem Leben vieles verändert. Unter anderem auch mein Lese- und Musikgeschmack. Während ich in Akutphasen weder lesen noch Musik hören kann, geht beides inzwischen unter bestimmten Umständen wieder. Im Regelfall höre ich Musik oder lese nur noch in der Badewanne. Für mich ist dies der einzige Ort, an dem ich einigermaßen entspannen kann.

Während ich früher gerne Romane gelesen habe und alle möglichen Musikarten gehört habe, geht hier vieles nicht mehr. Was Literatur betrifft kann ich nur noch Sachbücher, Biographien oder Texte über tatsächliche Begebenheiten lesen. Liebesgeschichten, Kriminalromane, etc. kann ich nicht mehr ertragen. Musikalisch ist mir ebenfalls normale „Gute Laune – Musik“ ein Graus. Wenn ich ganz bewusst Musik höre, dann am Liebsten nur Musik mit Tiefgang und Aussage.

Als ich mir kürzlich eine Liedauswahl auf dem Handy zusammengestellt habe, viel mir das Lied „Ist da Jemand“ von Adel Tawil in die Hände. Für Menschen, die unter Depressionen leiden ein sehr passender Text mit einem hoffnungsvollen Ende.

Hier zunächst der Liedtext:

IST DA JEMAND

Ohne Ziel läufst du durch die Straßen

Durch die Nacht, kannst wieder mal nicht schlafen

Du stellst dir vor, dass jemand an dich denkt

Es fühlt sich an als wärst du ganz alleine

Auf deinem Weg liegen riesengroße Steine

Und du weißt nicht, wohin du rennst

Wenn der Himmel ohne Farben ist

Schaust du nach oben und manchmal fragst du dich

Ist da jemand, der mein Herz versteht?

Und der mit mir bis ans Ende geht?

Ist da jemand, der noch an mich glaubt?

Ist da jemand? Ist da jemand?

Der mir den Schatten von der Seele nimmt?

Und mich sicher nach Hause bringt?

Ist da jemand, der mich wirklich braucht?

Ist da jemand? Ist da jemand?

Um dich rum lachende Gesichter

Du lachst mit, der Letzte lässt das Licht an

Die Welt ist laut und dein Herz ist taub

Du hast gehofft, dass eins und eins gleich zwei ist

Und irgendwann irgendwer dabei ist

Der mit dir spricht und keine Worte braucht

Wenn der Himmel ohne Farben ist

Schaust du nach oben und manchmal fragst du dich

Ist da jemand, der mein Herz versteht?

Und der mit mir bis ans Ende geht?

Ist da jemand, der noch an mich glaubt?

Ist da jemand? Ist da jemand?

Der mir den Schatten von der Seele nimmt?

Und mich sicher nach Hause bringt?

Ist da jemand, der mich wirklich braucht?

Ist da jemand? Ist da jemand?

Wenn man nicht mehr danach sucht

Kommt so vieles von allein

Hinter jeder neuen Tür

Kann die Sonne wieder schein’n

Du stehst auf mit jedem neuen Tag

Weil du weißt, dass die Stimme …

Die Stimme in dir sagt …

Da ist jemand, der dein Herz versteht

Und der mit dir bis ans Ende geht

Wenn du selber nicht mehr an dich glaubst

Dann ist da jemand, ist da jemand!

Der dir den Schatten von der Seele nimmt

Und dich sicher nach Hause bringt

Immer wenn du es am meisten brauchst

Dann ist da jemand, ist da jemand!

Da ist jemand, der dein Herz versteht

Und der mit dir bis ans Ende geht

Wenn du selber nicht mehr an dich glaubst

Dann ist da jemand, ist da jemand!

Der dir den Schatten von der Seele nimmt

Und dich sicher nach Hause bringt

Immer wenn du es am meisten brauchst

Dann ist da jemand, ist da jemand!

Dann ist da jemand, ist da jemand!

Dann ist da jemand, ist da jemand!

Adel Tawil

Ein tolles Lied. „Wenn der Himmel ohne Farben ist“ finde ich eine schöne Beschreibung für die dunkleren Tage einer Depression. Viele Mitmenschen denken, dass Menschen, die unter Depressionen leiden mit keinen anderen Menschen Kontakt haben möchte, aber das stimmt oft nicht. Wenn es mir wirklich schlecht geht, dann sehne ich mich nach jemandem, der mir beisteht ohne große Worte verlieren zu müssen.

Ich hatte eine solche Person – dachte ich. Wir konnten zu jeder Uhrzeit telefonieren und uns austauschen. Das war eine große Erleichterung. Leider hat sich – s. andere Blogartikel – Anfang diesen Jahres herausgestellt, dass diese „Freundin“ mich wohl doch nicht verstanden hat, denn sonst hätte sie nicht gesagt, dass ich sie als „Mülleimer für meine Negativität missbraucht“ hätte. Diesen Schmerz habe ich bis heute nicht überwunden. Denn ich hatte tatsächlich geglaubt, dass sie der „Jemand“ gewesen wäre.

Partner und Eltern versuchen zwar einiges, aber durch die zu starke persönliche Verstrickung ist es in diesen Fällen oft schwierig dieser „Jemand“ zu sein. Vieles, was einem als depressive Person oder auch als borderline Persönlichkeit Probleme bereitet, hat stark mit eben Eltern und/oder Partner*Innen zu tun. Daher sind sie in den seltensten Fällen, die idealen Menschen, um zu verstehen.

Ich wurde noch nicht fündig, aber ich hoffe, dass möglichst viele, die diese Zeilen lesen „jemand“ gefunden haben.

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